top of page

Echte Geschichten. Ungeschönt.

Persönliche Geschichten · Depression · ADHS · Autismus



Manche Menschen tragen ihre Kämpfe so leise mit sich, dass niemand merkt, wie sehr sie eigentlich kämpfen.


Sie stehen morgens auf.

Sie funktionieren.

Sie lachen an den richtigen Stellen, antworten auf Nachrichten, gehen einkaufen, arbeiten, kümmern sich um andere. Von außen wirkt alles normal.

Vielleicht sogar stark.


Und genau deshalb sieht oft niemand, wie laut es in ihnen wirklich ist.



Ich habe im Dezember letzten Jahres die Diagnosen ADHS und Autismus-Spektrum-Störung bekommen. Rückblickend hat das vieles erklärt. Dinge aus meiner Kindheit, die ich nie einordnen konnte. Gefühle, die immer irgendwie „anders“ waren.


Ich konnte mit drei Jahren lesen und schreiben. Ich habe früh komplexe Zusammenhänge verstanden, Emotionen analysiert und Dinge wahrgenommen, die andere oft übersehen haben. Und trotzdem konnte ich mit den einfachsten Alltagssituationen manchmal überhaupt nicht umgehen.


Emotionen waren für mich nie einfach nur Gefühle.

Sie waren Rätsel.


Ich fühle sehr viel, aber oft kann ich nicht deuten, was genau ich eigentlich fühle.




„Ich fühlte viel.

Aber konnte es oft nicht benennen.“




Meine Mutter war alleinerziehend, seit ich fünf Jahre alt war. Sie hatte selbst viele Sorgen und wollte unbedingt verhindern, dass ich irgendwann denselben Weg gehen würde wie sie. Deshalb musste ich oft funktionieren. Auch dann, wenn es mir nicht gut ging.


Ich ging mit Schmerzen und Beschwerden in die Schule, weil man glaubte, ich würde übertreiben oder mir Dinge einreden. Also lernte ich früh, Probleme herunterzuschlucken. Still zu sein. Durchzuhalten.


Bis ich irgendwann krank wurde.


Richtig krank.


Ich war zwölf Jahre alt, als alles eskalierte.

Notaufnahme.

Drei Wochen Krankenhaus.

Die Diagnose: chronisch krank.



Ein paar Wochen später hätte mich diese Krankheit beinahe das Leben gekostet.


Als Kind versteht man so etwas nicht wirklich. Aber der Körper merkt sich Angst. Und manchmal bleibt sie viel länger, als einem bewusst ist.


Heute glaube ich, dass dort vieles begann.


Die depressiven Episoden.

Der Rückzug.


Dieses ständige Gefühl, nicht richtig in diese Welt zu passen.


Ich schlief viel. Zog mich zurück. Funktionierte nur noch irgendwie. Doch niemand konnte damals wirklich erkennen, was in mir vorging.



Dann kam der nächste Bruch.


Kurz vor meinem 14. Geburtstag, am Tag meiner Jugendweihe, bekam ich einen Anruf:

Mein Vater war gestorben.


Bis heute erinnere ich mich nur bruchstückhaft an diesen Tag. Ich weiß noch, dass ich die Feier irgendwie durchgezogen habe. Gelächelt habe. Funktioniert habe.


Geweint habe ich erst Wochen später auf seiner Beerdigung.


Vielleicht, weil manche Gefühle zu groß sind, um sie sofort fühlen zu können.



Zum Glück bekam ich früh therapeutische Unterstützung. Seit inzwischen zwölf Jahren begleitet mich Therapie auf unterschiedliche Weise durch mein Leben.


Und trotzdem ist Depression für mich bis heute schwer zu beschreiben.


Oft fühlt man gleichzeitig nichts und viel zu viel.


Man möchte weinen, kann aber nicht.

Man möchte erklären, was los ist und findet keine Worte.


Manchmal fühlt es sich an, als würde man sich selbst nur noch von außen beobachten.

Als wäre man eine Schauspielerin im eigenen Leben.



2024 war ich in einer Tagesklinik. Dort habe ich gelernt, besser mit Gedanken und Gefühlen umzugehen.


Nicht perfekt.

Nicht immer zuverlässig.

Aber Schritt für Schritt.


Achtsamkeitsübungen helfen mir manchmal dabei, Gedankenspiralen zu durchbrechen. Wenn alles zu laut wird, suche ich mir ein Wort und versuche zu jedem Buchstaben einen neuen Begriff zu finden. Kleine Dinge. Kleine Anker.



Nicht jede Methode funktioniert jeden Tag.

Aber manchmal reicht schon ein kleiner Moment, um nicht komplett unterzugehen.




WAS VIELE NICHT SEHEN !




Psychische Erkrankungen sehen oft nicht so aus, wie Menschen es erwarten.


Nicht jeder bricht sichtbar zusammen.

Nicht jeder kann erklären, was in ihm passiert.

Und nicht jeder, der lächelt, ist wirklich okay.


Manche Menschen kämpfen still.


Und manchmal besteht dieser Kampf einfach nur darin, morgens überhaupt aufzustehen.



Für die Person hinter dieser Geschichte:


Danke für dein Vertrauen.

Danke für deinen Mut, Worte für Gefühle zu finden, die oft niemand sieht.


Ich hoffe, dass deine Geschichte anderen zeigt, dass sie nicht allein sind.




Was mir bei diesem Blog wichtig ist


Ich glaube, viele Menschen tragen Geschichten in sich, über die nie gesprochen wird.


Dieser Blog soll kein perfekter Ort sein.


Sondern ein ehrlicher.


Ein Ort für stille Gedanken, Überforderung, Hoffnung, Trauer, Heilung und alles dazwischen.


Wenn sich auch nur ein Mensch dadurch verstanden fühlt, dann hat sich das Schreiben bereits gelohnt.


– Monique

 
 
 
bottom of page